Sterilisierung beim Mann – OP und Folgen

Nach Sterilisierung beim Mann – Die Geschichte eines Entschlusses wird es Zeit, den zweiten Teil des Ganzen zu veröffentlichen. An jener Stelle war die Vorgeschichte veröffentlich. Doch wie ging es weiter?

Ein Bekannter empfahl mir das Markus Krankenhaus in Frankfurt am Main – er hätte hier super Erfahrungen gemacht bei seiner Sterilisierung. Die Urologie steht unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. med. Michael Sohn. Alle Untersuchungen verliefen problemlos. Die Familienplanung abgeschlossen, zwei Kinder, auf die 50 zugehend, in fester Beziehung lebend. Alle psychosozialen Aspekte sprachen für die Sterilisierung.

Dann zum Anästhesisten. Nichts gegen diesen Arzt, aber er wirkte auf mich, als sei er sein bester Kunde. Ausgezehrt, dunkle Ringe unter den Augen, eine Ausstrahlung, die mich an eine Mischung aus Dracula und das Klientel aus meiner Zeit als Drogenberater erinnerte. Vielleicht auch nur überarbeitet. Ich wollte also einen Eingriff unter Lokalanästhesie? Davon würde er abraten. Besser Vollnarkose. Dies ließe sich heutzutage genau timen. Auch bei der lokalen Betäubung würde ich sicherlich Schmerzen haben. Deshalb besser eine kurze Vollnarkose – dann könnten die Ärzte auch besser arbeiten. Nach einigem Schwanken ließ ich mich darauf ein und er informierte mich über mein notwendigen Vorbereitungen.

Am Abend vor der OP um 18 Uhr das letzte Essen. Kein Wein zum Abendessen, da darauf hingewiesen worden war, Alkohol zu vermeiden. Stattdessen zwei Gläser Orangensaft. Komplettrasur im Intimbereich. Morgens früh raus und meine Gefährtin fuhr mich ins Markus Krankenhaus.

Langes Rumgesuche nach der richtigen Station. Bett bezogen und nochmal nachrasiert. Strapse angezogen. Ich alberte mit meiner Freundin rum, sah einfach zum Schießen aus mit den Kompressionsstrümpfen und der Netz-Unterhose. Eine Schwester brachte mir eine Pille, zum Beruhigen vor der OP. So etwas hatte ich noch nie. Sollte ich es wirklich nehmen? Okay. Bald danach wurde mir schummrig, etwas seltsam im Bauch.

Zwei Schwestern holten mich ab. Durch Gänge, in den Aufzug. Im OP erfuhren sie, dass die Operation an anderer Stelle stattfinden würde. Wieder in den Aufzug, wieder Gänge. Irgendwo abgestellt. Dann die Anästhesistin. Braunüle gelegt. Spritze angesetzt. „Jetzt werden sie schlafen“. Wumm, und weg.

Irgendjemand ruft mich. Ich brauche Jahre, um zu mir zu kommen. Irgendjemand frägt mich irgendwas.  Vermutlich ob ich wach bin und ich brabble irgendetwas zustimmendes – völlig weggespact. Kriege dann mit, dass etwas schief gegangen ist. Mein Gott, die Urangst Kastration wird wach. Und ich auch.

Ich hätte erbrochen, direkt nach Einleitung der Narkose, wäre fast daran erstickt. Die Ärztin hofft, alles abgesaugt zu haben. Ist sich aber nicht sicher. Pneumonie droht. Statt der geplanten ambulanten OP müsse ich nun dableiben. Zurück ins Zimmer. Frau hat sich Sorgen gemacht, ich war lange weg, viel länger als geplant. Meine Freundin fährt, die Kinder brauchen sie zu Hause.

Der Oberarzt kommt. Staucht mich zusammen. Wieso ich heute morgen entgegen der Absprachen gefrühstückt hätte. Habe ich nicht, beteure ich. Blödsinn, die Anästhesistin hätte mich doch direkt nach dem Aufwachen gefragt und ich hätte ja gesagt. Ich bestehe darauf, das letzte sei mein Abendessen um 18 Uhr des Vortages gewesen. Nein, ich hätte gestanden und in diesen Momenten beim Aufwachen aus der Narkose könne man nicht lügen. Hätte den ganzen OP mit einem halben Liter Orangensaft vollgekotzt und den Zeitplan durcheinandergebracht.

Ich merke: Der Typ hat Schiss. Sie haben Mist gebaut. Wollen mir den schwarzen Peter zuschieben, haben vielleicht mitbekommen, dass meine Frau Anwältin ist. Wenn er gesagt hätte: Hey, sie hätten am Vorabend besser keinen O-Saft getrunken, sorry, wir vergaßen sie darauf hinzuweisen. Kein Problem. Aber so bleiben Fragen zurück. Betäubung zu hoch dosiert? Ich weiß es nicht. Aber das Wort „Kunstfehler“ geht mir durch den Kopf. Und ich werde garantiert in keiner Statistik auftauchen – wie so viele…

Stattdessen jagt er mir Angst ein. Erzählt locker leicht, dass ich hierbleiben müsse. Wenn ich morgen noch leben würde, wäre alles okay. Ich fasse es nicht. Ein „kleiner chirurgischer Eingriff“ und jetzt redet der Typ in Weiß vom Sensemann.

Ich halte mich wach. Immer mal kommt eine Schwester und kontrolliert den Blutdruck. Zwischendrin schlafe ich ein. Dann geht die Sonne auf. Ich lebe…

Der Arzt am Samstag ist nett und ohne Drohgebährden. Gegen Mittag kommt meine Freundin und holt mich ab. Ich konnte pinkeln, zumindest dies geht. Aber der Genitalbereich ist dick und schmerzt wie Sau. Langsam ziehe ich mich mit ihrer Hilfe an. Verlasse breitbeinig wie John Wayne das Krankenhaus. Im Kopf nur eine Frage: Wird „es“ noch funktionieren? Oder sterb ich jetzt gar an Samenembolie 😉 ?

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