Diagnose Online – sinnvoll oder gefährlich?

Woher kommen diese Kopfschmerzen? Wieso kribbeln die Finger schon wieder?

Und vor allem – ist das schon ein Grund um zum Arzt zu gehen?

Viele Menschen scheinen dies für einen vorschnellen Schritt zu halten.

Kein Wunder, denn Arztbesuche sind oft mit langen Wartezeiten, dem unangenehmen Weg und manchmal auch mit einer gewissen Scham verbunden. Da das Internet uns seine Informationen umsonst, anonym und rund um die Uhr zur Verfügung stelllt, ist der Griff zu PC und Laptop schnell getan.

Ob die Suche nach Symptomen per Google oder die Nutzung einer Diagnoseplattform – der Trend geht Richtung Onlinediagnose.

Diagnose-Plattformen

Und wo Nachfrage ist, da ist auch Angebot:

So existieren verschiedene Direkt-Diagnose Plattformen wie symptomat.de oder was-fehlt-mir.net, wo man Symptome von A wie „Abweichung d. normalen Blutung“ bis „Z“ wie „Zwangshandlungen“ findet – praktischerweise direkt zum Anklicken. Aus dem so erstellten Symptomcocktail werden dann Diagnosen mit einem gewissen Prozentsatz errechnet. So scheint bei den typischen Symptomen einer Nasennebenhöhlenentzündung immerhin noch eine 27%ige Chance auf die Tollwut zu bestehen und erfreulicherweise wird wenigstens über dem Hirntumor ein „Unwahrscheinlich“ angezeigt. Websites dieser Art können sicherlich einen Überblick über Möglichkeiten hinter einem Symptomkomplex geben und den Patienten anregen, den Arzt nach einer auführlichen Differentialdiagnose zu befragen, allerdings ist das Risiko, hier Ängste zu schüren, äußerst hoch. Auch setzt eine solche Diagnose voraus, dass der Patient seine Symptome richtig einschätzt – und bei dieser Website sind unter den Symptomen oft speziell definierte Krankheitsbilder aufgeführt.

Symptom-Suche bei Google

Auch bei der Google-Suche nach spezifischen Symptomen ist es sehr leicht, an eine Diagnose zu kommen: So werden die „Kopfschmerzen linke Schläfe“ auf gutefrage.net mit der Spontandiagnose „Migräne“ abgetan, während weiter unten der Wikipedia-Artikel „Clusterkopfschmerz“ beachtet werden will. Die Seite einer Heilpraktikerin rät im Fließtext zu bildgebenden Verfahren um eine Fraktur ausschließen zu können.

Laien-Diagnose aus dem Gesundheits-Forum

Ein weiterer Ort, auf welchen sich viele Leute zwecks Diagnosestellung verlassen, sind spezielle Foren wie beispielsweise das Apotheken-Forum „med1“. Dieses widmet sich in mehreren Unterforen allen erdenklichen Themen rund um die Gesundheit. Hier finden gerade Personen mit einer schwerwiegenden Diagnose Gesprächspartner und Personen, mit denen sie sich über ihr Leiden austauschen können. In anderen Unterforen werden wiederrum Laien-Diagnosen im Minutentakt gestellt. Die Frage „muss ich damit zum Arzt?“ ist allgegenwärtig und wird auch meist nicht eindeutig beantwortet. Insbesondere im Bereich von Themen, die mit großer Scham verbunden sind, wird hier um die Meinung der Userschaft gebeten. Es mag sicherlich beruhigend wirken, diese Art Themen anzusprechen, doch die Diagnose bleibt von Laien gestellt.

Fazit

Alles in allem lässt sich sagen, dass Gesundheitssorgen einen Großteil der Menschheit bewegen und mit steigendem Alter noch zunehmen. Hier ist es allgemein schwierig, den Strich zwischen einer übertriebenen Selbstbeobachtung und gesunder Sorge zu ziehen: Die Selbstwahrnehmung von Symptomen kann oft über- oder eben auch unterbewertet werden. Sich vor einem Arztbesuch über mögliche Ursachen zu Symptomen zu informieren, kann unter Umständen den Austausch mit dem behandelnden Arzt sinnvoll anregen. Gerade Personen, die zu starker Ängstlichkeit und Gesundheitssorgen neigen, sollten Online Diagnosen hingegen meiden. All zu oft wird hier nämlich vom Schlimmsten ausgegangen und der Patient in Angst vor einer tödlichen Krankheit versetzt. Auch der Umkehrfall, in dem eine Krankheit durch Fehldiagnose heruntergespielt wird, ist denkbar.

Wertigkeit der Online Diagnose hin oder her – einen Besuch beim Arzt kann eine Diagnose per Web niemals ersetzen.

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